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Mein Jahreshighlight 2021

Acht Leben – acht Geschichten …

Georgien, 1900: Die Geschichte der Familie wird ab der Geburt der Tochter Anastasia (genannt Stasia) erzählt. Als Tochter eines Schokoladenfabrikanten hat sie Zugang zur Oberschicht und heiratet den Weißgardisten Simon Jaschi, der seine Familie bald verlassen wird, um dem Staat zu dienen. Das Buch zeigt die Familiengeschichte vor dem Hintergrund der politischen Umwälzungen, spannt den Bogen vom Zarenreich, über die russische Revolution, den Ersten Weltkrieg, die Gründung der Sowjetunion, den Zweiten Weltkrieg bis hin zum Zerfall der Sowjetunion und der Entstehung einzelner Staaten.

Begleitet wird die Familie von einem Schokoladenrezept, das nicht nur außergewöhnliche Geschmacksnuancen aufweist, sondern auch mit einem Fluch belegt zu sein scheint. Diese dickflüssige, dunkelbraune Masse zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte, die sich quer über Europa spannt und schließlich wieder nach Georgien zurückfindet.

Die acht Leben der Familienmitglieder werden in den jeweiligen Kapiteln in den Mittelpunkt gestellt und zeigen die Höhen und Tiefen der Generationen auf. Beginnend mit Stasia, begleiten wir ihre Schwester Christine, die nächste Generation Kostja und Kitty, verfolgen das Leben Elenes, dürfen Daria und Niza beobachten, bis wir bei der jüngsten im Bunde – Brilka, dem achten Leben – anlangen.

Die weiblichen Figuren der Familie werden hier meistens in den Fokus gestellt. Und diese detailreich gezeichneten Charaktere haben mich überzeugt und ich bin ihnen gerne auf einem Stück ihres Weges gefolgt. Keine Übermenschen, sondern zum Teil schwierige Charaktere mit Höhen und Tiefen, die durch das feine Netz der Familie zusammengehören, auch wenn sie sich nicht unbedingt nahe stehen.

„Teppiche sind aus Geschichten gewoben. Also muss man sie wahren und pflegen. Auch wenn dieser jahrelang irgendwo verpackt den Motten zum Fraß vorgeworfen wurde, muss er nun aufleben und uns seine Geschichten erzählen. Ich bin mir sicher, wir sind da auch eingewebt, auch wenn wir das nie geahnt haben.“

Textausschnitt aus dem Buch

Das Buch beeindruckt bereits durch die Seitenanzahl und hat mich die letzten Jahre auch davon abgehalten, es zu lesen. Als ich mich nun endlich dazu aufraffte, wurde ich nicht enttäuscht. Denn das Buch ist unglaublich, es fesselt über mehr als 1200 Seiten den Leser, schafft eine Beziehung zur Familie Jaschi und gibt einen Überblick über die historischen Ereignisse Georgiens und Russlands. Nino Haratischwili hat ein wahres Meisterwerk geschaffen und verdient uneingeschränkte 5 Sterne.

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